Bra_Zizzola

Der barocke „Geschmack“ von Bra

Bra ist heute eine schöne, in barocke Gewänder drapierte Dame, die ihren historischen Glanz den eleganten Kirchen, dem Heiligen Cottolengo und dem Seligen Valfré verdankt. Bra wird von der Feder des Journalisten und Schriftstellers Giovanni Arpino schön und oft beschrieben.

 

Bra bewahrt ein frühindustrielles Erbe (Gerbereien, Hanf, Käse) und blickt stetig in die Zukunft: Die Stadt ist Sitz der Slow-Food-Bewegung, die aus einer Eingebung Carlin Petrinis genau hier als „Arcigola“ entstand, und wurde mit der Messe „Cheese“ zum weltweiten Bezugspunkt für handgemachten Käse. Sie rühmt sich hervorragender Produkte, wie dem nach ihr benannten DOP-Käse und der wunderbaren Kalbsbratwurst. Das heutige Bra ist industriell und landwirtschaftlich, reich, aber nicht protzig, mit der zurückhaltenden Faszination seiner alten Gassen und historischen Cafés, durchzogen von ständigen kulturellen und künstlerischen Fermenten. 

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Das gestrige Bra hat weit zurückliegende Ursprünge, die im 11. Jahrhundert belegt sind. Der Name stammt von den mittelalterlichen „brayde“ langobardischen Ursprungs, ausgedehnten Besitztümern, die einem Gutsherrn als Weideland überlassen wurden. Die Gutsherren wurden dann die „De Brayda“ und sie gaben der Stadt ihren Namen. Im 13. Jahrhundert ließen die De Brayda hier eine solide Burg mit Türmen erbauen, die von einem Burggraben geschützt wurde. Sie wurde 1515 von einem großen, französischen Heer angegriffen und zerstört und 1552 abgerissen. Erhalten blieb jedoch der Palazzo Traversa, ein befestigter Herrensitz aus dem 15. Jahrhundert, der zwischen der Via Parpera und der Via Serra in der Altstadt von Bra liegt, wo diese Route startet. Palazzo Traversa ist heute der Sitz des Museo Civico di Archeologia Storia e Arte (Städtischen Museums für Archäologie, Geschichte und Kunst), das archäologische Fundstücke aus Pollenzo (3 km entfernt von Bra) ausstellt.

Das antike Pollentia war zur Römerzeit die größte Ortschaft zwischen Alba Pompeia und Augusta Bagiennorum (dem heutigen Bene Vagienna) und bewahrt den Grundriss eines römischen Amphitheaters. Pollenzo lohnt ganz sicher einen Besuch, auch wegen der von König Carlo Alberto in Auftrag gegebenen, neugotischen Anlage, die den Platz, die Kirche San Vittore, das Schloss und die Agenzia, den landwirtschaftlichen Betrieb des Königs, umfasst. Park und Schloss sind in Privatbesitz, aber die Agenzia ist Sitz der Università di Scienze Gastronomiche (Universität der gastronomischen Wissenschaft), privilegiertes Ziel von Studenten aus der ganzen Welt. Daneben, oder besser gesagt darunter, befindet sich die Banca del Vino (Wein Bank), in der das Wein-Vermögen der Langhe und des Roero, aber auch anderer Gebiete, ausgestellt wird.

Aber kehren wir zurück nach Bra, und zwar auf die Piazza dei Caduti per la Libertà, wo rechts der schöne, aus dem Mittelalter stammende Palazzo Valfrè steht und links der Palazzo Garrone aus dem 18. Jahrhundert mit schönem Atrium und Prunktreppe. An diesem Platz stehen sich außerdem der Palazzo Mathis, Sitz des städtischen Fremdenverkehrsamts, und das Rathaus mit seinen geschwungenen Barockformen gegenüber. Vervollständigt wird die Kulisse von der stattlichen Kirche Sant’Andrea, erbaut von 1672 bis 1682 nach Entwürfen von Bernini, die von Guarini angepasst wurden. Die dreischiffige Kirche hat eine Fassade mit zwei Ordnungen im raffinierten Barockstil.

Hinter der Piazza Caduti öffnet sich einer der repräsentativsten und geselligsten Ort von Bra, den die Einwohner schlicht „la Rocca“ nennen. Dieser obere Teil der Stadt gipfelt im sympathischen, kleinen Hügel der öffentlichen Gärten, wo an Sommerabenden noch getanzt wird. Wenn man über den oberhalb der Markthalle aus dem 19. Jahrhundert angelegten Weg bummelt, trifft man auf das Denkmal für den Heiligen Benedetto Cottolengo, dem Gründer des Wohltätigkeitsvereins Piccola Casa della Divina Provvidenza, auf sein Geburtshaus, sowie auf die Kirche Santissima Trinità, allgemein als die der „Battuti Bianchi“ bekannt. Außen ist sie schlicht, aber das Innere ist herrlich ausgestaltet. Nicht weit entfernt steht die faszinierende Kirche Santa Maria degli Angeli, die Fresken des  Operti und des Morgari bewahrt.

Von der „Rocca“ führen zahlreiche, enge Straßen hinab ins Zentrum, wo man angenehm bummeln kann. Die kuriose Via della Mendicità Istruita ist ein Muss: Hier wurde die berühmte Slow-Food-Bewegung gegründet und sie hat hier noch immer ihren Sitz. Die Straße führt zum Salon des Städtchens, der von der Via Vittorio Emanuele, der Parallelstraße Via Principi di Piemonte, der Via Audisio und der Via Cavour gebildet wird. Dieses Viereck der „Spaziergänger“ ist das pulsierende, wirtschaftliche Herz von Bra. An der Kreuzung mit der Fußgängerzone der Via Cavour steht die Bruderschaftskirche der Battuti Neri, die 1591 von der Bruderschaft der Barmherzigkeit errichtet wurde. 

Am anderen Ende der Via Cavour steht die entweihte und als Ausstellungsraum genutzte Kirche San Rocco, deren Bau im 18. Jahrhundert abgeschlossen wurde, die aber ursprünglich aus dem 16. Jahrhundert stammt. Sofort hinter der Kirche öffnen sich in schneller Folge die Piazza Carlo Alberto und die Piazza Roma, mit dem namhaften Theater Politeama und dem unvermeidlichen Kommen und Gehen rund um den Bahnhof. Wir folgen der Via Vittorio bis zur kleinen Via della Provvidenza, die zur Via Craveri ansteigt, wo uns das Museo Civico „Craveri“ di Storia Naturale (Städtische Museum für Naturgeschichte) erwartet. Es entstand Mitte des 19. Jahrhunderts aus der privaten Sammlung des Anwalts Angelo Craveri und ist eine bedeutende Wetterstation seit 1859. Die in den Ausstellungsräumen befindlichen sehr wichtige Sammlungen.

An der Ecke Via Craveri/Via Barbacana steht das architektonische Juwel der Stadt, die Kirche Santa Chiara, höchster Ausdruck des piemontesischen Barock. Sie wurde von 1742 bis 1748 nach dem Entwurf des Vittone erbaut, der sie in der Form eines Kleeblatts anlegte, sowohl innen als auch außen verblüffend geschwungen, mit Stuckarbeiten und Fresken verziert. Sie gipfelt in einem komplexen Gewölbe mit doppelter, durchbrochener Decke, die wunderbare Lichteffekte erzeugt. Am Ende der Via Barbacana steht der Palazzo Traversa, an dem wir gestartet sind.

Ein Muss ist ein gemächlicher Bummel (es ist eine Slow-Stadt) durch das Straßengewirr, das sich den Hügel in Richtung des Gipfels Monteguglielmo hinaufzieht, wo die Zizzola steht, ein kurioses, achteckiges Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Einst war es die „Villa der Wonnen“ und dann das Wahrzeichen der Stadt. Daher befindet sich hier die kulissenhafte, multimediale Museumsinstallation „Casa dei Braidesi (Haus der Einwohner von Bra)“.

Bevor wir Bra verlassen, empfiehlt sich der Besuch eines weiteren Wahrzeichens der Stadt, das man bequem mit dem Auto erreichen kann. Es handelt sich um die Wallfahrtskirche Madonna dei Fiori an der gleichnamigen Allee. Der ausgedehnte, religiöse Komplex wurde 1626 an der Stelle einer uralten Kapelle erbaut, die nach einer Marienerscheinung am 29. Dezember 1336 errichtet worden war. Die dem Marienkult gewidmete Wallfahrtskirche zählt zu den ältesten der Provinz und ist berühmt für die „Blüten des Schnees“, eine seltene, winterliche Blüte. Im Innern befinden sich das 1638 von Jean Claret gemalte Bild der Madonna und die Statue der Heiligen Jungfrau, die jedes Jahr bei der Prozession am 8. September durch die Straßen der Stadt getragen wird. Außen angebracht ist das majestätische Mosaik des Rupnik, das mehr als 200 Szenen aus heiligen Schriften darstellt.

 

Text von Pietro Giovannini

 

 

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ALLGEMEINE INFORMATIONEN

Abfahrt
Bra
Piazza Caduti per la Libertà
12042
Italien
Ankunft
Bra
Viale Madonna dei Fiori, 93
12042
Italien

ZUGÄNGLICHKEIT

Along the way:

Point of interest along the way

Abfahrt:
Bra
Piazza Caduti per la Libertà
12042 Cuneo
Italien
Ankunft:
Bra
Viale Madonna dei Fiori, 93
12042 Cuneo
Italien

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