Parchi astigiani

Parks des Monferrato

Das Monferrato Astigiano ist nicht nur reich an Burgen, Türmen und romanischen Kirchlein, die über die wunderbaren Weinberge verstreut sind, sondern es hat auch ein weites Angebot an Parks und Naturschutzgebieten, die oft aus Weitsicht und auf Anregung der Bevölkerung entstanden sind. Die Verwaltung des Parco Paleontologico Astigiano fördert dieses Erbe der Vergangenheit, sowie die angeschlossenen Schutzgebiete.

 

Der Parco Paleontologico ist ein verstreuter Park, da die Funde von Mastodons und Walen (um die bedeutendsten Exemplare zu nennen, neben Tausenden von Muschelfossilien aus Millionen Jahren) in vielen Gegenden der Provinz auftauchten, nicht nur im Valle Tanaro. In der Tat war ein Großteil der Provinz Asti (wie auch das Roero) praktisch der „Strand“ der Ur-Adria und bewahrt einen sandigen Untergrund, der perfekt für die Versteinerung dieser aus uralten Zeiten stammenden Meeres- und Sumpfwelt ist.

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Diese faszinierende Welt muss man sich teilweise vorstellen und zum Teil lebt sie in der wunderschönen Ausstellung des Museo dei Fossili (Fossilien Museum) in Asti, im Palazzo Michelerio, wieder auf. Tersilla, der 1993 in San Marzanotto gefundene Wal, ist so etwas wie das Maskottchen des Museums. Zusammen mit dem ersten Wal, der schon 1959 beinahe intakt in Vigliano gefunden wurde, erzählen sie uns eine Millionen Jahre alte Geschichte, als diese Hügel tatsächlich ein Meer waren. Neben den Geheimnissen dieses überraschenden Untergrunds befinden sich überirdisch intakte, stille Winkel, schattig und grün, die ein innovatives Reiseziel für alle darstellen, die freie Räume lieben, sowie Wanderungen, Einsamkeit in Begleitung eines Buchs oder eines Hunds, Naturpfade und jahrhundertealte Bäume.

 

Nach unserem gedachten Eintauchen in das Meer des Astigiano, verlassen wir Asti in Richtung Rocchetta Tanaro, wo 1980 der erste Park eingerichtet wurde, auf Betreiben des Marchesen Mario Incisa della Rocchetta, der einen ausgedehnten Wald zwischen dem Hügel von Sant’Emiliano und dem Tanaro zur Verfügung stellte, damit daraus ein 120 Hektar großes Schutzgebiet werde. Wir befinden uns hier an der östlichen Grenze der Provinz, umgeben von einer Handvoll Gemeinden links und rechts des Flusses. Folgt man der Panoramastraße, kommt man in das winzige Azzano vor den Toren Astis, dann nach Rocca d’Arazzo, hoch oben zwischen Canyons und geheimen Tälern erstklassiger Trüffel. Es folgt Castello dAnnone, schon immer Grenzort und Zollstelle Astis, das Cerro Tanaro gegenüberliegt, einem schon zum Monferrato gehörenden, befestigten Dorf in der Ebene. Zwischen den letzten beiden liegt Rocchetta Tanaro.

 

Die erste Etappe ist also Azzano, ein kleines Dorf am Tanaro, mit einem wundervollen Blick auf die Stadt Asti. Nach der napoleonischen Zerstörung der mächtigen Abtei, deren Einfluss sich über dieses fruchtbare Flussland erstreckte, blieb nichts übrig: nur Felder im Ortsteil Moglia, auf denen sich jedoch Ausgrabungen lohnen würden. Eine an der Pfarrkirche angebrachte Gedenktafel erinnert an den Fleiß und die geschichtliche Bedeutung der Mönche.

 

In Rocca d’Arazzo hingegen ist neben dem stattlichen Palazzo Cacherano (17. Jh.), heute Sitz der Gemeinde und des Museo del Tambass (Trommelballmuseums), die kleine romanische Kirche Santi Stefano e Libera sehenswert. Die Panoramastraße durch die Trüffelwälder nach Santa Caterina und Montaldo Scarampi lohnt sich. Über das „Viadukt“ von San Carlo kann man nach Rocca d’Arazzo zurückkehren.

 

Das nächste Dorf ist Castello d’Annone, mit seiner Pfarrkirche (schöner, vielfarbiger Altar, einziges Überbleibsel der verschwundenen Abtei San Bartolomeo in Azzano). An Stelle der zu Asti gehörenden Wehrburg, die seit Jahrhunderten nicht mehr existiert, befindet sich heute ein kleiner Park oberhalb der Ortschaft. Es gibt auch die WWF-Oase „Bosco del Lago (Seewald)“, ein dichter Eichen- und Hainbuchenwald.

 

Von hier führt ein schöner Radweg am rechten Flussufer entlang nach Cerro Tanaro, einem Dorf am Fluss mit wenigen Straßen, die schachbrettartig angeordnet sind. Hier befindet sich der Turm Torre degli Adorni, das Schloss der Natta und das kuriose Museo della Bicicletta (Fahrradmuseum), das Sarachèt gewidmet ist, dem aus Asti stammenden, historischen Hersteller von Fahrrädern. Es befindet sich im kleinen Bahnhof. Es lohnt sich die Biegung der Luvetta aufzusuchen, ein kleiner, bezaubernder Landungsplatz für Angler in den stillen Wassern des Tanaro. Da das Dorf einen Abstecher wert ist, können wir es auch schnell im Auto erreichen.

 

Schließlich erreichen wir Rocchetta Tanaro, das wegen Giacomo Bologna bekannt ist, einem der historischen Väter der Rehabilitierung des Barbera. Es ist aber auch berühmt für das Handelsgeschick und die raue, aber ehrliche Art seiner Einwohner, die einen autochthonen Dialekt sprechen und eine große Vorliebe für Feste und kuriose, uralte Traditionen haben. Zu guter Letzt sind da noch die Weine, Trüffel und eine fettreiche, abgerundete Küche, die gekrönt wird von den genialen „Lingue di Suocera (Schwiegermutterzungen)“, einer Mischung aus einem Grissino und Blätterteig, und vom Raviolo Gobbo astigiano, der Apotheose aller piemontesischen Agnolotti.

 

Im Naturpark kommen alle wildwachsenden Pflanzen der Gegend vor (Traubeneichen, Zerreichen, Stieleichen, Robinien, Ulmen, Kirschen etc.), eine monumentale, 200 Jahre alte Buche, eine enorme Vielfalt an Blumen und Sträuchern, und vor allem eine wunderbare Vogelwelt: Hier nisten mehr als 40 Vogelarten, in einer ruhigen Oase, die nur von ihrem Gesang erfüllt ist.

 

Die Gegend wird durch Kunstschätze bereichert, wie die verfallene Kapelle SantEmiliano, Bruchstücke von Bastionen und Türme der Burg, die Bruderschaftskirche Confraternita dell’Annunziata mit Resten von Fresken und romanischen Spuren, die bedeutende romanische Kirche Santa Maria de Flexio (genannt „delle Ciappellette“) sowie zahlreiche Jugendstilvillen.

 

Der zweite Naturpark ist die Riserva Naturale della Val Sarmassa, abgelegen in Pilz- und Trüffelwäldern, die sich zwischen den Gemeinden Cortiglione, Incisa Scapaccino, Vinchio und Vaglio Serra erstreckt. Von Rocchetta Tanaro kommt man hierher, indem man der schönen Kammstraße des Parks bis nach Mombercelli folgt. Dann geht es idealerweise über Vinchio und Incisa Scapaccino weiter, hinein nach Cortiglione, bis schließlich nach Belveglio, mitten im Valle Tiglione.

 

Die Geschichte dieses Schutzgebiets ehrt seine Einwohner, die die Einrichtung einer industriellen Müllkippe stoppten, indem sie „Spaziergänge“ durch Wälder, über Hügel und vorbei an Ciabòt (kleine Hütten aus Stein) initiierten, um sich ihr Land auch physisch wieder anzueignen. Die Verwaltungen verstanden diese starke Botschaft und der Prozess endete mit der regionalen Einrichtung der Riserva Naturale im Jahr 1993. Ihr Symbol ist eine Smaragdeidechse, die auf Piemontesisch „Lajeu“ heißt und italienisiert „Lajolo“, nicht zufällig der am meisten verbreitete Nachname der Gegend. Und das bringt uns sofort zum literarischen Schlüssel für diesen Winkel des Monferrato: die Bücher und Aktivitäten des Partisans, Schriftstellers und Journalisten Davide Lajolo, von dem man zumindest „I më“ lesen sollte, eine Sammlung von Erzählungen, die in diesen Hügeln angesiedelt sind. Dieses Werk erfasst gut den eigentlichen Sinn von Zugehörigkeit zu einer bäuerlichen Gemeinschaft, den der Schriftsteller meisterhaft vermittelt.

 

Ein kleines Museum im Dorf Vinchio erinnert an „das Nest“ des Schriftstellers, an seine ersten Erfahrungen im Faschismus und dann als Partisanenführer mit dem Kampfnamen Ulisse (Odysseus), an seine Tätigkeit als Journalist (er war lange Direktor von „L’Unità“), Parlamentarier und vor allem als Schriftsteller und Kritiker. Lajolo war auch ein feiner Sammler zeitgenössischer Kunst, von dem zwei Ausstellungen zu sehen sind: eine in Nizza Monfererrato (Route: Nizza, zwischen Barbera und Bagna Cauda) und eine in Moasca (Route: Das Monferrato von Costigliole d’Asti), wobei praktisch alle großen Künstler des 20. Jahrhunderts vertreten sind. Die Erinnerung an Davide Lajolo wird von seiner Tochter Laurana mit Liebe bewahrt, ebenso wie von der Bücherei und durch eine Briefsammlung.

 

Eine Runde durch die Riserva Naturale della Val Sarmassa muss daher auch einen Besuch des Bricco dei Cinquant’anni (Hügel der 50 Jahre) und des Ciabòt von Montedelmare einschließen, sowie die Partisanenpfade und die Tuffsteinhöhlen, die als Unterschlupf vor den Razzien der Nazifaschisten dienten, und vor allem die Besteigung der „Ru“, einer enormen Eiche, die seit Jahrhunderten über diese Hügel wacht. Die Touren sind sehr gut ausgeschildert, ebenso wie der Kalender der historischen literarischen Spaziergänge, die noch immer jedes Jahr stattfinden.

 

Eine Panoramastraße führt uns nach Vinchio, das mit dem gegenüberliegenden Vaglio Serra quasi ein Unikum bildet, das sich durch die berühmte, auf der Gemeindegrenze fast am Eingang des Parks gelegene Winzergenossenschaft gut ausdrückt. Wir befinden uns hier im Gebiet eines geschätzten Crus des Barbera d’Asti: dem begehrten Nizza, der hier einzigartige Eigenschaften im Hinblick auf Struktur und Bukett annimmt.

 

Vinchio gehörte ehrenhaft zur Partisanenrepublik des Basso Monferrato (ausgerufen am 5. November 1944 in Agliano Terme). Das Dorf ist auch für seinen im Frühjahr heiß begehrten „Sarazenenspargel“ bekannt. In Vaglio Serra hingegen gibt es noch einen barocken Adelspalazzo und das angrenzende Rathaus aus dem 17. Jahrhundert. Sehenswert sind das Taufbecken aus dem 15. Jahrhundert in der Pfarrkirche, sowie der schöne Veranstaltungskeller.

 

Unsere Tour ist fast am Ende angekommen, vorbei an Incisa Scapaccino, in dessen unterem Ortsteil das Gelände des Naturschutzgebiets endet, unterhalb der romantischen, befestigten Anhöhe, die einst ein unabhängiges, uneinnehmbares und vom Belbo umflossenes Marquisat war. (Route: Das Monferrato von Nizza).

 

Das winzige Dorf Cortiglione (einst hieß es Corticella) bietet uns die verstümmelten Ruinen einer Burg, die auf zwei Mauern reduziert ist, mitten in üppiger Vegetation, die sich nach Süden zum fruchtbaren und geordneten Land öffnet. In Crociera gibt es ein wichtiges Vorkommen von Fossilien aus dem Pliozän, ein weiterer Beweis für den Reichtum des Untergrunds im Astigiano.

 

 

Der dritte Naturpark des Astigiano ist die Riserva della Valle Andona, Val Botto e Val Grande, 1985 ebenfalls einer geplanten Müllkippe im Valle Manina entrissen. Die Riserva wird in der Route der Vororte Astis ausführlich beschrieben (Route: Asti: ein Ausflug in die Vororte).

 

 

 

Es gibt noch zahlreiche kleine Schutzgebiete, die zum Teil der Parkverwaltung Astis unterstehen und zum Teil dem WWF und Gemeinden. Dazu zählen die Feuchtgebiete von Moasca (Paludo) und Costigliole (Rio Bragna), die des Tanaro (Stagni di Belangero und Rocche di Antignano), die Riserva di Muscandia (zwischen Pino d’Asti und Passerano Marmorito), der Wald Bosco delle Sorti (zwischen Bruno, Mombaruzzo, Maranzana und den angrenzenden Gemeinden der Provinz Alessandria) und der schöne Wald Bosco della Luja in Loazzolo. Er entstand auf Wunsch der Familie Scaglione, heldenhaften Erzeugern des hochwertigen Passito DOC, was ebenso wie im Val Sarmassa beweist, dass die Erzeugung landwirtschaftlicher Qualitätsprodukte und der Schutz des Gebiets sich bestens ergänzen und miteinander existieren können.

 

 

 

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DURCHQUERTE GEBIETE

Monferrato

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ALLGEMEINE INFORMATIONEN

Abfahrt
Asti
Corso Savona
14100
Italien
Ankunft
Belveglio
Via Roma
14040
Italien
Typologie
Schleife
Distanz
46.9 km

ZUGÄNGLICHKEIT

Along the way:

Point of interest along the way

Abfahrt:
Asti
Corso Savona
14100 Asti
Italien
Ankunft:
Belveglio
Via Roma
14040 Asti
Italien

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