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Das Basso Monferrato von Castagnole

Die insgesamt sieben Hügel um Castagnole Monferrato sind berühmt für die Erzeugung des Ruché, des würzigsten der aromatischen Rotweine des Piemonts. Die Route zeichnet ein Weinblatt nach, ein Netz aus Straßen, die auf und ab über die sanften Anhöhen führen, auf denen ihr immer wieder und unvermittelt das ganze Piemont spürt.

 

In Castagnole Monferrato liegen die Schätze alle innerhalb der Mauern der Miraja genannten Vorburg, direkt hinter der großen Pfarrkirche San Martino, vom Theater bis zu den schönen, mittelalterlichen Häusern, in die sich Bauernhöfe aus dem 17. Jahrhundert und ehrgeizige Palazzos des späten 19. Jahrhunderts einfügen.

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Am Standort der ehemaligen Burg befinden sich das neugotische Gebäude des ehemaligen Kindergartens und daneben der alte Sitz der Philharmonie. Erwähnenswert ist auch die öffentlich zugängliche, barocke Villa Mercantile mit einem Italienischen Irrgarten.

Die kürzeste Straße nach Viarigi führt gewunden über Montemagno. Wir schlagen aber einen größeren Bogen und fahren von Castagnole Monferrato an den ausgedehnten Trüffelwäldern im Südosten vorbei und dann mit wenigen Kurven hinab in ein landwirtschaftliches Tal bis ins benachbarte Refrancore, ein ehemals befestigtes Schachbrett am Bach Gaminella. Der älteste, befestigte Ortsteil lag jedoch auf der Hügelkuppe, wo sich noch immer die alte Kirche San Martino mit Spuren des Stadttorturms im Kirchturm befindet.

 

Auf dem Ortsplatz erhebt sich hingegen der schlanke Glockenturm (18. Jh.) der verschwundenen Kirche San Sebastiano, eines der Wahrzeichen der Stadt neben den „Finocchini“, köstlichen Aniskeksen, die wir unbedingt probieren. Erwähnenswert sind außerdem der feine Maler des 20. Jahrhunderts, Massimo Quaglino, und das kleine Kirchlein mit der romanischen Apsis im Ortsteil Maddalena, in Richtung Valenzani.

 

Auf und ab über sanfte Erhebungen und am bevölkerungsreichen Ortsteil Accorneri vorbei erreichen wir Viarigi, unsere nächste Etappe. Das Dorf ist unverwechselbar mit seinen Häuserreihen auf übereinanderliegenden Terrassen, die vom schönen Torre dei Segnali (Signalsturm) überragt werden. Der Turm ist der erste Vorposten des Wachtsystems des Marquisats des Monferrato in diesem umkämpften Grenzland.  

Viarigi lohnt einen Spaziergang über Treppen und unter Gewölben, um in einem Meer aus roten Ziegeldächern malerische Winkel, Innenhöfe und Tore zu entdecken. Schön ist die Pfarrkirche Sant’Agata (14. Jh.) mit einer Fassade aus dem 17. Jahrhundert. Sie hütet ein Triptychon der Madonna des Gandolfino da Roreto (oder d’Asti), neben dem Macrino einer der bedeutendsten Renaissancemaler des Piemonts. Hübsch ist auch die benachbarte Kirche San Silverio auf dem Grundriss des Griechischen Kreuzes und mit sich abwechselnden, zweifarbigen Quadern. Sie wird von einem großen, mittelalterlichen Palazzo überragt, der zu den ältesten des Dorfs zählt.

Das weite Umland besteht aus mehr Wald als Weinbergen. Knapp oberhalb der Wälder steht die kleine Kirche San Marziano (11. Jh.), die letzte (oder erste) Landkirche des Astigiano auf der Via Francigena, dem Frankenweg. Das feine, romanische Gebäude aus gelbem Sandstein steht an einem abgelegenen, herrlichen Aussichtspunkt.

Nun geht es auf und ab durch eine der schönsten Mulden der Provinz. Montemagno erwartet uns am Ende einer kurzen Steigung und wir sehen den Wall seiner Burg schon von weitem. Tatsächlich liegt das ganze Dorf auf der anderen, sonnigen Seite des Hügels. Die Burg der Calvi di Bergolo, die in einen bezaubernden, barocken Wohnsitz umgewandelt wurde, bewahrt dennoch ein typisch mittelalterliches Aussehen. Von hier gehen 12 – ebenso nummerierte – Gassen ab, die die ursprüngliche Anlage der Vorburg bewahren.

Die ehemalige Pfarrkirche mit der pompösen Prunktreppe und einer mit Säulen verzierten Fassade macht einen für diese Gegend ungewöhnlichen, kulissenhaften Eindruck. Montemagno hütet aber noch viele weitere, gut versteckte Geheimnisse, wie die Fresken der Kirche Santa Maria della Cava (1491), die zu den bedeutendsten des Astigiano zählen, neben denen der Kapelle Sant’Andrea in Montiglio Monferrato (Route: Romanik von Montechiaro d‘Asti), oder den faszinierenden Ruinen der romanischen Kirche Santi Vittore e Corona (12. Jh.). Schließlich überrascht uns noch eine alltägliche Zelebration … die des Brots. Die typische „griva monferrina“ findet hier die verdiente Beachtung bei einer Veranstaltung, die diesem bedeutenden Grundnahrungsmittel des Menschen gewidmet ist. Und zum Brot gehört Wurst, wobei es sich dabei im ganzen Monferrato um die gekochte Salami handelt, hausgemacht (jede Metzgerei macht ihre eigene), würzig und fett: ein unvergesslicher Rausch der Sinne!

Auf allen Straßen, die von Montemagno abgehen, taucht man in eine bäuerliche Landschaft ein, die fast zu schön ist, um wahr zu sein. Wir fahren nach Grana (Route: Basso Monferrato von Moncalvo), das auf dem Weg nach Moncalvo (Route: Moncalvo, die kleinste Stadt Italiens) liegt und einen schönen Ausblick auf die anderen Hügel des Ruché bietet. Das Dorf ist um die stattliche Pfarrkirche Santa Maria Assunta (1776) gruppiert, die ein Altarbild der Madonna mit Kind und Heiligen (1595) bewahrt, das zu den schönsten Werken des Moncalvo zählt.  

Die Straße nach Calliano führt uns in Kürze zum Abzweig nach San Desiderio, der ehemaligen Grenze zwischen dem Monferrato und der Astesana. Wir machen hier eine Kehrtwende und folgen dem Kamm, der von San Pietro (hier gibt es eine wunderschöne Abkürzung nach Castagnole Monferrato) hinab zur Hauptstraße von Scurzolengo führt. Eine einzige Straße verläuft praktisch durch das ganze Dorf, mit ein paar wenigen Sträßchen um das mächtige Schloss im Zentrum. Die finstere Burg umfasst selbst die Pfarrkirche und erhöht so die eigene Wucht.

Gegenüber von Scurzolengo liegt Portacomaro, die Heimat der am tiefsten im Astigiano verwurzelten Rebsorte Grignolino, den man in der örtlichen Bottega del Vino (Weinhandlung) verkosten kann. Sie befindet sich in dem malerischen Wachturm, der die Vorburg abschließt. Ebenfalls ein Muss ist die kleine, romanische Kirche San Pietro (12. Jh.), eine der wenigen ohne runde Apsis, die am Ende einer steilen Treppe knapp außerhalb der Altstadt steht und Fresken aus dem 14.-16. Jahrhundert bewahrt. Portacomaro ist auch eine der unbestrittenen Hauptstädte des Tambass, des Trommelballspiels des Monferrato, das dem Faustballspiel der Langhe ähnelt.

Die Umgebung zählt zu den schönsten dieser Route, ob man die abgelegene, kleine Kirche Sant’Evasio mitten in den Wäldern von Miravalle besucht, eine Fahrt über den Parallelkamm von Castellazzo macht oder in Richtung Scurzolengo: eine weite Runde von Monterovere, die nur dafür gemacht scheint, sich an dieser friedlichen Landschaft satt zu sehen.

Wir folgen der Kammstraße nach Castiglione, die an Ciabòt (Hütten) und Jugendstilvillen vorbeiführt und sicherlich eine der schönsten Straßen des Monferrato ist. Castiglione war einst eine eigenständige Gemeinde und gehört heute zu Asti, das durch die zahlreichen Eingemeindungen im Jahr 1935 zur Provinzhauptstadt wurde. Das Hügeldorf ist berühmt für die „Fagiolata (Bohnensuppe) am San-Defendente-Tag“, dem 2. Januar, der seit 800 Jahren ein religiöser Gedenktag ist, an dem Essen an die Armen verteilt wird.

Nun geht es an Cornapò vorbei nach Migliandolo, einer weiteren Gemeinde, die heute ein unabhängiger Ortsteil von Portacomaro ist. Das ruhige Bauerndorf durchqueren wir in Zeitlupe und fahren dann auf der anderen Seite hinab ins Tal von Valenzani. Zurück nach Castagnole Monferrato geht es mit wenigen Kurven.

 

Text von Pietro Giovannini

 

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ALLGEMEINE INFORMATIONEN

Abfahrt
Castagnole Monferrato
14030
Italien
Ankunft
Castagnole Monferrato
14030
Italien
Typologie
Schleife
Distanz
44.3 km

ZUGÄNGLICHKEIT

Along the way:

Point of interest along the way

Abfahrt:
Castagnole Monferrato
14030 Asti
Italien
Ankunft:
Castagnole Monferrato
14030 Asti
Italien

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