Asti_SanSecondo

Asti: die Stadt der Händler

Der geschäftliche Erfolg Astis geht auf den 19. Juli 992 zurück, als der Kaiser eine Urkunde für den Bischof von Asti unterzeichnete, mit der es den Händlern seiner Stadt erlaubt wurde, ihre Waren frei im ganzen kaiserlichen Herrschaftsgebiet zu handeln. So eröffnete sich den Händlern Astis ein weiter Markt, der vom Burgund bis ins heutige Kroatien reichte und in dem sie von den hohen Zöllen befreit waren.

 

Nach dem Niedergang des Römischen Reichs erstand so aus der Asche von Hasta Pompeia die Stadt Asti auf, die innerhalb weniger Jahrzehnte eines der blühendsten Zentren Europas wurde, dank seiner günstigen Lage als Knotenpunkt einiger sehr wichtiger Durchgangsstraßen Norditaliens. Erkunden wir nun diese Stadt der Händler, suchen wir die ehemaligen Hospize auf, die die Reisenden beherbergten, und die Kellereien aus dem 19. Jahrhundert, die sogar in der Stadt den roten Rebsaft herstellten. Schauen wir uns an, wo die guelfischen Solaro schließlich die Guttuari, ihre Rivalen auf den französischen Märkten, besiegten und ihre Häuser dem Erdboden gleichmachten, um an ihrer Stelle den "Kräutermarkt“ zu errichten.

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Das Viertel von San Secondo, das Herz der Stadt, ist einfach zu erreichen. Vom Bahnhof an der Piazza Marconi folgt man der Via Cavour. Sie war eine der alten Zugangsstraßen der Stadt und führte durch San Quirico, ein Viertel des einfachen Volks, zu einem der zehn Stadttore Astis, dem bereits 1292 dokumentierten Tor von Sancti Pauli. In dem außerhalb der Stadtmauer gelegenen Viertel gab es keine Adelspalazzos, sondern Hütten, Werkstätten und eine Mühle, die ihr Wasser aus der Bealera bezog, wie das Kanalsystem genannt wurde, das die Stadtmauer umgab. Der Begriff bezeichnete später generell alle Bewässerungsgräben. Die Bealera versorgte auch die kleinen Seiden- und Wollverarbeitungswerkstätten des Gebiets.

Heute ist die Via Cavour eine lebhafte Straße und nur das geschulte Auge bemerkt zwischen den modernen Häusern und Schaufenstern die historischen Gebäude. Dazu zählt auf der Westseite der Straße die Kirche Santissima Trinità, Sitz einer im 15. Jahrhundert entstandenen Erzbruderschaft, mit einer eleganten Fassade (19. Jh.) und hellen Innenräumen (18. Jh.). Nur die beiden in das angrenzende, moderne Gebäude eingegliederten, mittelalterlichen Fenster mit Bögen aus Terrakotta und Tuffstein sind vom ehemaligen Hospiz Sant’Evasio übrig geblieben. Die Hospize und Hospitäler waren die Hotels von einst. Sie wurden meist von religiösen Orden betrieben und standen an den Stadttoren.

An der Piazzetta S. Paolo gabelt sich die Straße und links zieht die Kirche San Paolo den Blick auf sich. Das Ziegelgebäude aus dem späten 18. Jahrhundert erreicht man über eine kleine Treppe. Es bewahrt eine "Madonna del Rosario“ (Madonna des Rosenkranz), die der Tochter des Moncalvo zugeschrieben wird. Ebenfalls auf der linken Seite beginnt die Via XX Settembre, die ehemalige riva Carrera (d.h. der Wagenbauer), die zum Viertel von San Martino - San Rocco (siehe Route Asti, die Festen Häuser von San Martino) führt. Hier steht eines der schönsten Festen Häuser der Stadt: Palazzo Catena, dessen Terrakottafassade die Zweifarbigkeit der Gesimse und der Stürze der zweibogigen Fenster bewahrt.

Wir kehren um und erreichen die Piazza Statuto, einst Piazza delle Erbe (Kräutermarkt) oder Piazza dei Guttuari. Der Turm der Guttari, Wahrzeichen dieser Familie, wurde nach ihrer Vertreibung schräg gekappt. Erst 1898 wurde ihm eine ghibellinische Zinnenkrone aufgesetzt. An derselben Piazza steht auch der strenge Gerichtspalast, Palazzo dei Tribunali (13./14. Jh.), dessen Terrakottafenster sich deutlich vom neueren Verputz abheben. Es ist nicht immer leicht, die Geschichte eines Palazzos zu identifizieren, vor allem, wenn sich Zerstörungen und Restaurierungen überlagern, so wie bei einem weiteren Palazzo an der Piazza Statuto, mit weiten, eleganten gotischen Fenstern, der erst kürzlich als Palazzo del Podestà identifiziert wurde. Begeben wir uns nun in den Salon von Asti, die Piazza San Secondo, den die Einwohner Piazza del Santo nennen. Die Piazza di San Secondo ist seit der weit zurückliegenden Zeit der Freien Kommune das pulsierende Herz des städtischen Lebens und, mit der Stiftskirche, dem Rathaus und den historischen Laubengängen, eine gute Zusammenfassung Astis.

Die Stiftskirche San Secondo ist wirklich bemerkenswert. Die Terrakottafassade stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, mit dem eleganten, zentralen Rosenfenster aus Terrakotta und den drei Portalen, die in das gotische Innere des Gebäudes führen, das sich durch das Rot der Ziegel und das Strohgelb des weichen Sandsteins auszeichnet. Der Legende nach ist die Kirche an der Stelle des Martyriums des Schutzpatrons errichtet worden. Sie stammt aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, hütet aber Schätze aus etlichen Epochen, darunter der Kirchturm und die Krypta aus dem 10. Jahrhundert, mit dem silbernen Reliquienschrein des Heiligen (16. Jh.), der herrliche Flügelaltar an der linken Wand mit der "Adorazione dei Magi“ (Anbetung der Könige) des Gandolfino da Roreto, auch Gandolfino d’Asti genannt, und Altare aus buntem Marmor (18. Jh.). Nicht weniger bedeutend für die Stadt ist der Carroccio del Palio, eine moderne Kopie des Fahnenwagens, der im Mittelalter in die Schlacht gezogen wurde. Er stand früher in der ersten Kapelle rechts vom Eingang, wo heute die Banner des Palio ausgestellt sind, sowie die Siegprämie des Palio (16 Ellen roter Samtstoff), die die Gemeinde von Asti am ersten Dienstag im Mai an die Stiftskirche übergibt und um die dann im September das Wettrennen ausgetragen wird.

Neben der Stiftskirche steht der Palazzo di Città, das Rathaus, dessen mittelalterliche Struktur fast vollständig unter der radikalen Sanierung versteckt liegt, die der junge Benedetto Alfieri in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts durchführte. Im Atrium mit Flachgewölbe befindet sich der mittelalterliche "Prüfstein“, für die linearen Größen der Ziegel und Dachpfannen, die auf dem städtischen Markt strikt einzuhalten waren. Im ersten Stock stechen das Motto Aste Nitet Mundo Sancto Custode Secundo (Asti glänzt in der Welt dank seines Schutzheiligen Secondo) und eine Kopie des Gemäldes der Laveglia, das sich im Palazzo Mazzetti (siehe Route Asti, der Viertel der Kathedrale) befindet und die Pracht der Stadt im 17. Jahrhundert zeigt, mit ihren unzähligen, über die Stadtmauer emporragenden Türmen und Kirchen. Ringsum erinnern die Namen der Straßen und Laubengänge an die mittelalterlichen Zünfte und der Markt, der hier auf dem Platz stattfand, war einer der beiden wichtigsten der Stadt. Der andere fand um die Kathedrale statt und stand mit diesem hier im Wettstreit.

Der Torre Bertramenghi-Scarampi, den laut den Statuten kein anderer Turm der Stadt an Höhe übertreffen durfte, ragte zwischen der Piazza San Secondo und der Piazza Statuto auf. Man kann ihn noch anhand der unverputzten Ziegel auf der Fassade der mit Laubengängen versehenen Palazzos auf der Südseite erkennen. Wir gehen jedoch durch die gegenüberliegenden Portici degli Orefici, die Laubengänge der Goldschmiede, mit ihren schönen Kapitellen. Dies war einst die Wache, Palazzo della Guardia. Wir erreichen die andere Seite der Piazza, an der kurzen Via dei Cappellai, der Straße der Hutmacher. An der Ecke Via Incisa, der ehemaligen „Contrada dei Pellicciai“ (Straße der Kürschner), steht der gotische Palazzo, der bislang als Palazzo „del Podestà“  bekannt war. In diesem eleganten Gebäude mit einer robusten, zentralen Säule, die das herrliche Gewölbe des Salons stützt, kann man das Erdgeschoss und die Keller besichtigen. Es wurde als Sitz der Zunft der Notare bestätigt. Wir folgen der Via Incisa bis zum Corso Alfieri. Das ganz aus Ziegeln bestehende, majestätische Eckgebäude ist der Palazzo Montalcini der Familie der Nobelpreisträgerin Rita Levi Montalcini. Er umfasst den ganzen Häuserblock bis zu den Portici degli Librai, den Laubengängen der Buchhändler. Der Corso wartet rechts und links mit einer Reihe von Geschäften auf, zum Teil mit Schaufenstern des frühen 20. Jahrhunderts und Originalverzierungen im Jugendstil.

Wir bummeln auf dem Corso nach Westen und biegen rechts in die Via al Teatro ein, die uns zum Teatro Alfieri (19. Jh.) führt. Es wurde auf Initiative führender Persönlichkeiten der Stadt, darunter selbstverständlich Zaccaria Ottolenghi, in nur zwei Jahren errichtet. An der Straßenecke steht der Palazzo degli Spagnoli mit einem schönen Säulengang im Innenhof. Dies war ein weiterer, prunkvoller Wohnsitz der Alfieri, den sie an den Kondottiere Giangiacomo Trivulzio abtraten, der 1494 vom französischen König Charles VIII zum Statthalter von Asti ernannt wurde.

Wir kehren zurück auf den Corso Alfieri und folgen der kleinen Via Della Valle zur Piazza Medici mit dem hohen Torre Troyana (Troyana Turm), auch Torre dell’Orologio genannt. Der Turm wurde von der Familie Troya in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts gebaut und ging später an die Savoyer. Herzog Emanuele Filiberto stiftete ihn 1560 der Gemeinde, die eine noch heute oben im Turm befindliche Glocke und eine Uhr anbrachte. Nach 199 Stufen bietet er eine unbezahlbare Aussicht über die Altstadt und das hügelige Umland. Die Piazza Medici wurde Anfang des 20. Jahrhunderts völlig umgestaltet. Der Brunnen von 1908 erinnert an den Bau des neuen, städtischen Aquädukts, während einige private Häuser den Aufstieg des Kleinbürgertums bezeugen: mit der Nr. 2 das Haus der Ivaldi-Vercelli mit Räumen im Jugendstil oder das mittelalterlich angehauchte Haus der Taricco an der Ecke Via D’Azeglio. In der Via Hope befindet sich das ehemalige Zisterzienserkloster der Consolata und ein nüchternes klassizistisches Kirchlein mit einem schönen Rokoko-Altar an der Ecke Via Orfanotrofio. Diese Gasse endet an der Via Morelli, an deren Ecke sich die Reste des ansonsten von den Zisterziensern einverleibten Palazzo Pergamo befinden, sowie die kleine, sehr alte Kirche San Silvestro, die jedoch im 18. Jahrhundert völlig umgebaut wurde. Daneben steht der Palazzo Visconti.

Die Via Morelli entlang geht es zurück zur Piazza Medici und weiter durch die gegenüberliegende Via Cesare Battisti, die mit weiteren Überraschungen aufwartet: eine herrliche Kassettendecke aus dem späten 15. Jahrhundert im Gewölbe eines Geschäfts (ehemals Casa Rostagno) und weitere Räume mit Holzdecken aus derselben Epoche in dem einstigen Kartäuserhospiz, "Casa della Piuma d’Oro“ (Haus der Goldenen Feder). Am Ende der Straße treffen wir auf den Corso Dante, eine Allee die im 19. Jahrhundert an der Stelle eines Großteils der östlichen Stadtmauer angelegt wurde. Und schon sind wir auf der Piazza Alfieri. Der ungewöhnliche dreieckige Platz ist von schönen, piemontesischen Laubengängen umgeben: links die Portici degli Anfossi, rechts die Portici dei Pogliani und an der Grundseite die Portici Rossi. Der Platz ist von Alleen umgeben und in seiner Mitte steht die Statue des Dichters Vittorio Alfieri. Der Ritus der Zeitung und des Kaffees in den historischen Lokalen ist ein unvermeidlicher Termin der Einwohner, ebenso wie der Ritus des Aperitifs mit einem "Americano“, dem weltberühmten Cocktail auf Wermutbasis.

Auf der Piazza Alfieri findet im September der Palio statt, das älteste Pferderennen Italiens. Ursprünglich verlief die Rennstrecke von der heutigen Piazza 1° Maggio, im Osten, über die ganze Contrada Maestra, den heutigen Corso Alfieri, bis zum Torre RossaMittwochs und samstags findet auf der Piazza Alfieri der Hauptwochenmarkt statt. Und hier rief Garibaldi aus den Fenstern des Hotels Reale die jungen Männer Astis auf, ihm bei seiner Unternehmung der „Tausend“ zu folgen, woran eine Gedenktafel am Hotel erinnert. Und hier stand einst eines der Hauptstadttore, die Porta dell’Arco. Die Stadtmauer verlief dann weiter nach Norden, entlang dem heutigen Corso Dante. Dann bog sie auf der Höhe des castrum episcopi, wo sich heute der Bosco dei Partigiani befindet, nach Westen ab, erstreckte sich über die ganze Nordseite und schloss mit dem Torre Rossa (Rote Turm) ab. Aber kehren wir zurück zur Piazza Alfieri. Hier errichteten die Visconti ihre Zitadelle, von der Reste des Wachturms entdeckt wurden, die heute durch eine entsprechende Pflasterung an der Südwestecke des Platzes gekennzeichnet sind. Das moderne Gebäude der Provinzverwaltung, Palazzo della Provincia, kontrastiert mit dem Sitz der Sparkasse, Cassa di Risparmio di Asti, an der Piazza della Libertà. Gegenüber steht das in baulicher Hinsicht interessante, ehemalige Haus der Faschistischen Partei Italiens.

Weiter geht es in Richtung Osten den Corso Alfieri entlang. Bald sehen wir auf der rechten Seite die Ortodhoxe Kirche Santa Maria Nuova, deren Ursprünge sehr alt sind, wie der Kirchturm aus dem 11. Jahrhundert beweist. Die Kirche wurde im Mittelalter in einem Viertel außerhalb der Stadtmauer errichtet und mehrfach umgebaut und bewahrt heute zwei der interessantesten Werke des Gandolfino da Roreto, auch Gandolfino d’Asti genannt. Wir kehren zurück zum Corso Alfieri und gehen weiter ostwärts. Nun kommen wir zu einem der interessantesten mittelalterlichen Bauwerke der Region. An der Piazza 1° Maggio steht der "del vecchio San Pietro” genannte Gebäudekomplex. Er besteht aus der vor 1169 erbauten Rotonda del Santo Sepolcro (Rotunde des Heiligen Grabs), die dann zum Baptisterium wurde, einer quadratischen Aula (15. Jh.) und einem Kreuzgang mit Kreuzgewölbe, an den sich das Pilgerhospiz San Pietro in Consavia angeschlossen haben soll. Der Komplex entstand als Kommende des Malteserordens, um Pilger auf ihrer Reise ins Heilige Land zu beherbergen und zu beschützen.

Dies ist der letzte Schatz Astis.

 

Text von Pietro Giovannini

 

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